Startseite › Ratgeber › Temperatur im Schaltschrank
Wie warm darf es im Schaltschrank sein?
In der Praxis legt man die Innentemperatur eines Schaltschranks meist auf 35 °C aus. Die Normen beziehen sich auf die Umgebungstemperatur: Für Schaltgerätekombinationen in Innenräumen geht DIN EN 61439 von höchstens 40 °C und im 24-Stunden-Mittel höchstens 35 °C aus. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie Verlustleistung und Erwärmung abschätzen und welche Kühlung oder Heizung passt.
- Verlustleistung ermitteln und Erwärmung berechnen
- Filterlüfter, Wärmetauscher oder Kühlgerät richtig wählen
- Schaltschrankheizung gegen Kondenswasser
Welche Temperatur ist im Schaltschrank zulässig?
Als Auslegungswert für die Innentemperatur hat sich 35 °C durchgesetzt. Die meisten Geräte im Schrank sind für eine Umgebungstemperatur bis 40 °C ausgelegt. Mit 35 °C bleibt Abstand zu dieser Grenze, auch dort, wo es im Schrank wärmer ist als im Mittel.
Wichtig: Im Schrank ist es nicht überall gleich warm. Warme Luft steigt nach oben, oben ist es oft mehrere Grad wärmer als unten. Empfindliche Geräte gehören deshalb nach unten.
Was ist die Verlustleistung im Schaltschrank?
Verlustleistung ist die elektrische Leistung, die Geräte im Schrank in Wärme umwandeln. Sie ist die wichtigste Größe für jede Klimatisierung. Ermitteln Sie sie als Summe der Herstellerangaben bei realer Last, nicht bei Nennlast aller Geräte gleichzeitig, und planen Sie eine Reserve ein.
In Schränken mit Umrichtern oder Thyristor-Leistungsstellern bestimmen diese Geräte meist den Wärmehaushalt. Als grobe Faustregel setzt ein Frequenzumrichter einige Prozent seiner Leistung in Wärme um, kleine Geräte anteilig mehr als große. Genau steht es im Datenblatt.
Typische Wärmequellen
- Frequenz- und Servoumrichter, oft der größte Anteil
- Thyristor-Leistungssteller in Heizungssteuerungen, abhängig vom Laststrom
- Transformatoren und Netzteile
- Schütze, Motorschutzschalter, Sicherungen
- SPS, Baugruppen und Displays
- Leitungen und Schienen bei hohen Strömen
- Von außen: Sonneneinstrahlung, warme Hallenluft, nahe Maschinen
Wie berechnet man die Erwärmung im Schaltschrank?
Für eine erste Abschätzung reicht eine einfache Wärmebilanz: Die Verlustleistung muss über die Gehäuseoberfläche abfließen. Daraus ergibt sich die Erwärmung gegenüber der Umgebung:
ΔT = PV / (k · A)
- ΔT Erwärmung der Innenluft gegenüber der Umgebung in K
- PV Verlustleistung im Schrank in W
- k Wärmedurchgangszahl des Gehäuses in W/(m²·K)
- A wirksame Oberfläche in m². Flächen an der Wand oder am Nachbarschrank geben kaum Wärme ab und zählen nicht oder nur teilweise. Das genaue Verfahren je Aufstellungsart beschreibt IEC/TR 60890.
Rechenbeispiel
Wandschrank aus lackiertem Stahlblech, 600 mm breit, 1.200 mm hoch, 400 mm tief, Rückwand an der Wand. Wirksame Fläche vereinfacht: Front 0,72 m², zwei Seiten 0,96 m², Dach 0,24 m², zusammen rund 1,9 m². Verlustleistung 300 W.
- k · A = 5,5 × 1,9 ≈ 10,5 W/K
- ΔT = 300 W / 10,5 W/K ≈ 29 K
- Bei 30 °C in der Halle wären es innen rund 59 °C, deutlich zu warm.
- Über die Oberfläche abführbar bei 35 °C innen: 10,5 W/K × 5 K ≈ 53 W
- Fehlende Kühlleistung: 300 W − 53 W ≈ 250 W
Allgemein gilt für den Kühlbedarf: QK = PV − k · A · (Ti − Tu). Ist das Ergebnis negativ, reicht die Oberfläche. Ist die Umgebung wärmer als innen gewünscht, wird der zweite Term negativ: Dann strömt zusätzlich Wärme von außen hinein.
Wann reicht ein Filterlüfter, wann braucht es ein Kühlgerät?
Ein Filterlüfter reicht, wenn die Umgebungsluft deutlich kühler ist als die gewünschte Innentemperatur und sauber genug für den Schrank. Ist es außen wärmer als 35 °C oder ist die Luft staubig, ölhaltig oder feucht, braucht es einen geschlossenen Kreislauf: Wärmetauscher oder Kühlgerät.
Filterlüfter auslegen
Der nötige Luftvolumenstrom lässt sich abschätzen mit V = f · PV / ΔT in m³/h. Der Faktor f liegt auf Meereshöhe bei rund 3,1 und steigt mit der Höhe.
Im Beispiel oben: 250 W fehlende Kühlleistung, 5 K Abstand zwischen 30 °C Hallenluft und 35 °C innen, ergibt rund 155 m³/h. Mit Filtermatte liefert ein Lüfter weniger als im freien Betrieb. Planen Sie deshalb Reserve ein.
Luftführung
- Lüfter unten saugt kühle Luft an, Austrittsfilter oben
- Leichter Überdruck im Schrank hält Staub draußen
- Luftweg nicht mit Kabelkanälen oder Geräten verstellen
- Umrichter haben eigene Lüfter: Luftrichtung beachten
Wie legt man ein Kühlgerät für den Schaltschrank richtig aus?
Die Nutzkühlleistung muss den Kühlbedarf bei der höchsten zu erwartenden Umgebungstemperatur decken, mit Reserve. Den Kühlbedarf ermitteln Sie mit der Wärmebilanz oben, bei warmer Umgebung inklusive der Wärme, die von außen durch die Wände kommt.
Stellen Sie das Kühlgerät nicht kälter ein als nötig. 35 °C innen reichen in der Regel. Je kälter der Schrank, desto eher fällt Kondenswasser an Geräten und Wänden aus.
- Sollwert rund 35 °C, nicht deutlich darunter
- Türkontaktschalter: Kühlgerät schaltet bei offener Tür ab, sonst kondensiert Hallenluft
- Kalte Luft nicht direkt auf Geräte blasen
- Luftkurzschluss vermeiden: Aus- und Einblasöffnung nicht zu dicht beieinander
- Kondensat sicher ableiten
- Schrank gut abdichten, sonst kühlt das Gerät die Halle mit
Wann braucht ein Schaltschrank eine Heizung?
Eine Schaltschrankheizung brauchen Sie, wenn Kondenswasser droht: bei Aufstellung im Freien oder in unbeheizten Hallen, bei starken Temperaturwechseln zwischen Tag und Nacht und bei langen Stillstandszeiten. Kühlt feuchte Luft im Schrank unter ihren Taupunkt, schlägt sich Wasser an Geräten und Klemmen nieder. Die Folgen sind Korrosion, Kriechströme und Fehlfunktionen.
Die Heizung hält den Schrank einige Grad über der Umgebung und damit über dem Taupunkt. Die Heizleistung lässt sich mit derselben Formel abschätzen: PH = k · A · ΔT. Auch Displays und Geräte mit unterer Temperaturgrenze brauchen bei Frost Wärme.
Schaltschrankheizung mit Lüfter oder ohne?
Eine Heizung mit Lüfter verteilt die Wärme gleichmäßig und eignet sich für größere Schränke. Kleine Schränke kommen oft mit einer Heizung ohne Lüfter aus.
- Thermostat: heizt unterhalb einer eingestellten Temperatur
- Hygrostat: heizt, sobald die relative Luftfeuchte einen eingestellten Wert überschreitet. Den Wert legt man so fest, dass sich im Schrank kein Kondenswasser bildet.
- Heizung unten einbauen, mit Abstand zu Leitungen und Kunststoffteilen
Schaltschrankheizung oder Heizungs-Schaltschrank: Was ist der Unterschied?
Eine Schaltschrankheizung ist ein kleines Heizgerät im Schrank, das Kondenswasser verhindert. Ein Heizungs-Schaltschrank dagegen steuert eine industrielle Heizung, etwa einen Ofen, eine Werkzeugheizung oder einen Versuchsaufbau, mit Temperaturregler, Leistungsstellern und Übertemperaturbegrenzer.
Solche Schränke bauen wir zum Beispiel für die Temperaturregelung von Versuchen in der Wasserstofftechnik an einer Forschungseinrichtung. Gerade dort sind die Leistungssteller eine große Wärmequelle im Schrank. Mehr dazu: Heizungs-Schaltschränke.
Was gilt beim Erwärmungsnachweis nach DIN EN 61439?
Für Schaltgerätekombinationen nach DIN EN 61439 ist der Nachweis der Erwärmung Teil des Bauartnachweises. Er zeigt, dass Geräte, Schienen und Leiter bei Bemessungsstrom ihre Temperaturgrenzen einhalten.
Die Norm kennt dafür drei Wege: Prüfung, Ableitung von einer geprüften Referenzbauart und Berechnung. Die Berechnung ist nur in festgelegten Grenzen zulässig: bis 630 A für ein einzelnes Abteil über den Vergleich der Verlustleistungen, bis 1.600 A mit einem Verfahren nach IEC/TR 60890.
Gehört der Schrank zur elektrischen Ausrüstung einer Maschine, gilt DIN EN 60204-1. Dann muss die Ausrüstung unter den festgelegten Umgebungsbedingungen funktionieren. Welche Norm für Ihren Schrank gilt, erklärt der Ratgeber Normen für Schaltschränke.
Wie vermeiden Sie Hitzeprobleme schon beim Aufbau?
Die günstigste Kühlung ist ein gut geplanter Aufbau. Wer Wärmequellen richtig anordnet und den Luftweg freihält, braucht oft eine Nummer kleinere Klimatisierung. Weitere Aufbauregeln stehen im Ratgeber Schaltschrank-Aufbau.
- Wärmste Geräte oben, empfindliche Elektronik unten
- Mindestabstände nach Herstellerangabe einhalten
- Kabelkanäle nicht vor Lüftungsöffnungen von Geräten
- Platzreserve lassen, ein voller Schrank wird heißer
- Aufstellort prüfen: Sonne, Öfen, warme Abluft
- Temperatur im Schrank überwachen, zum Beispiel mit Thermostat und Meldung an die Steuerung
- Filtermatten nach Plan wechseln
Wie berücksichtigt Rihatec die Temperatur beim Schaltschrankbau?
Wir bauen nach Ihrem Schaltplan oder planen die Elektrik in EPLAN P8. Kühlung, Heizung und Anordnung der Geräte legen wir vor dem Angebot mit Ihnen fest, passend zu Aufstellort und Verlustleistung.
Jeder Schrank wird vor der Auslieferung in unserer Werkstatt geprüft: Sichtprüfung, Schutzleitermessung und Funktionsprüfung. Die Prüfung dokumentieren wir, das Prüfprotokoll erhalten Sie auf Anfrage. Wie wir Projekte klären und fertigen: Schaltschrankbau. Was die Klimatisierung am Preis ausmacht: Was kostet ein Schaltschrank?
Häufige Fragen zur Temperatur im Schaltschrank
Wie warm darf es im Schaltschrank sein?
Üblich ist eine Auslegung auf 35 °C Innentemperatur. Die meisten Geräte sind für Umgebungstemperaturen bis 40 °C ausgelegt. Mit 35 °C bleibt Abstand, auch im oberen, wärmsten Bereich des Schranks. Verbindlich sind die Grenzwerte in den Datenblättern der Geräte.
Welche Umgebungstemperatur legt DIN EN 61439 zugrunde?
Für Schaltgerätekombinationen in Innenräumen höchstens 40 °C, im 24-Stunden-Mittel höchstens 35 °C und mindestens −5 °C. Andere Bedingungen müssen zwischen Hersteller und Anwender vereinbart werden.
Wie ermittle ich die Verlustleistung im Schaltschrank?
Addieren Sie die Verlustleistungen aller Geräte laut Datenblatt bei realer Last. Umrichter, Leistungssteller, Netzteile und Transformatoren machen meist den größten Teil aus. Planen Sie eine Reserve für spätere Erweiterungen ein.
Wie berechne ich die Erwärmung im Schaltschrank?
Vereinfacht gilt: Erwärmung gleich Verlustleistung geteilt durch Wärmedurchgangszahl mal wirksamer Oberfläche. Flächen an der Wand oder am Nachbarschrank zählen dabei nicht oder nur teilweise. Für die genaue Auslegung gibt es Rechenverfahren je Aufstellungsart.
Reicht ein Lüfter für den Schaltschrank?
Ja, wenn die Umgebungsluft deutlich kühler ist als die gewünschte Innentemperatur und sauber genug. Bei warmer, staubiger oder ölhaltiger Umgebung braucht es einen geschlossenen Kreislauf mit Wärmetauscher oder Kühlgerät.
Auf welche Temperatur stellt man ein Schaltschrank-Kühlgerät ein?
In der Regel auf rund 35 °C. Kälter einzustellen bringt kaum Nutzen und erhöht das Risiko, dass sich Kondenswasser im Schrank bildet.
Warum bildet sich Kondenswasser im Schaltschrank?
Kühlt feuchte Luft im Schrank unter ihren Taupunkt ab, schlägt sich Wasser nieder. Typische Ursachen sind Aufstellung im Freien oder in unbeheizten Hallen, Temperaturwechsel, lange Stillstände und ein zu kalt eingestelltes Kühlgerät. Abhilfe schafft eine Schaltschrankheizung mit Thermostat oder Hygrostat.
Schaltschrankheizung mit Lüfter oder ohne?
Eine Heizung mit Lüfter verteilt die Wärme gleichmäßig und eignet sich für größere Schränke. In kleinen Schränken reicht oft eine Heizung ohne Lüfter. Eingebaut wird sie unten im Schrank.
Was ist der Unterschied zwischen Schaltschrankheizung und Heizungs-Schaltschrank?
Die Schaltschrankheizung schützt den Schrank vor Kondenswasser. Ein Heizungs-Schaltschrank steuert eine industrielle Heizung mit Temperaturregler und Leistungsstellern. Heizungs-Schaltschränke baut Rihatec in Kirchheim bei München nach Ihrem Plan oder mit Planung.
Ihr Schaltschrank, passend zum Einsatzort
Ihr Plan. Ein Festpreis. Ein geprüfter Schaltschrank. Schicken Sie Schaltplan und Stückliste, dazu Aufstellort und Umgebungstemperatur. Ein Techniker sieht Ihre Unterlagen durch.
Bestehender Schrank wird zu warm?
Soll ein vorhandener Schrank umgebaut oder ersetzt werden, beschreiben Sie den Bestand. Für Standardfälle mit ein bis fünf Motoren oder einer Heizung gibt es den Konfigurator.
Stand: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ersetzt keine Prüfung durch eine Elektrofachkraft und keine Rechtsberatung.