Häufige Fragen zum Schaltschrankbau
Was Maschinenbauer und Betreiber beim Auslegen eines Schaltschranks und vor einem Auftrag wissen wollen: welche Norm gilt, welche Angaben nötig sind, was bei Strom, Wärme und Antrieben zu beachten ist und wie Preis und Lieferzeit entstehen.
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Vor der Anfrage
Brauche ich einen Schaltplan?
Nein. Eine Liste Ihrer Motoren, Ventile und Sensoren und eine kurze Beschreibung, was die Maschine tun soll, genügen. Daraus planen wir den Schaltschrank in EPLAN P8, bauen und prüfen ihn. Haben Sie bereits Schaltplan und Stückliste, bauen wir auch danach.
Welche Unterlagen braucht ein Schaltschrankbauer für die Anfrage?
Einen Schaltplan brauchen Sie nicht. Für ein Angebot genügen: eine Liste der Verbraucher mit Leistung (Motoren, Heizungen, Ventile), eine Liste der Sensoren und Signale, Netzspannung am Aufstellort, Umgebung und Platz, die gewünschte Bedienung, Schnittstellen zu anderen Steuerungen und die Sicherheitsfunktionen aus Ihrer Risikobeurteilung, etwa Not-Halt oder Schutztür. Dazu Stückzahl, gewünschter Termin und welche Teile Sie beistellen. Steuerspannung, Belüftung, Schrankgröße und Einspeisung legen wir selbst fest. DIN EN 60204-1 enthält in Anhang B einen Fragebogen mit denselben Punkten, unser Schaltschrank-Steckbrief fragt sie geordnet ab.
Was ist der Schaltschrank-Steckbrief?
Unsere feste Struktur, mit der wir jedes Projekt vor dem Bau klären. Sie legt fest, welche Punkte geklärt sein müssen, wer sie klärt und was wir annehmen, wenn keine Vorgabe vorliegt. Annahmen kennzeichnen wir, Sie widersprechen nur, wo sie nicht passen. So muss in der Werkstatt nichts umgebaut werden, weil eine Frage zu spät kam. Mehr dazu: Schaltschrank-Steckbrief.
Konfigurator oder Projektanfrage, was passt für mich?
Der Schaltschrank-Konfigurator ist für kompakte Schränke mit wenigen Antrieben und Sensoren gedacht: ein bis fünf Motoren oder eine industrielle Heizung mit Thermostat oder Temperaturregler. Mehr Antriebe, eine SPS-Steuerung oder besondere Anforderungen laufen über die Projektanfrage.
Ist die Anfrage verbindlich, und kostet die Beratung etwas?
Die Anfrage ist unverbindlich, ein Auftrag entsteht erst mit Annahme unseres Angebots. Das Telefonat mit einem Techniker ist kostenlos. Muss für ein Festpreis-Angebot erst ein Schaltplan erstellt werden, sagen wir Ihnen das und nennen den Aufwand vorher.
Was passiert mit unseren Unterlagen?
Wir nutzen sie nur für Ihr Projekt. Auf Wunsch unterzeichnen wir vorab eine Geheimhaltungsvereinbarung.
Schaltschrank auslegen: technische Fragen
Nach welcher Norm wird ein Schaltschrank ausgelegt?
Das hängt davon ab, was der Schrank tut. Steuert er eine Maschine, gilt DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1), die Norm für die elektrische Ausrüstung von Maschinen. Verteilt er Energie, etwa als Unterverteilung in der Halle, gilt die Normenreihe DIN EN 61439 für Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen. Dazu kommen die Anforderungen an die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV). Für Maschinen gilt ab dem 20. Januar 2027 die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 anstelle der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG. Welche Norm für Ihren Schrank gilt, klären wir vor der Planung.
Was muss ich beim maximalen Strom und bei der Einspeisung beachten?
Drei Werte müssen zusammenpassen: der Bemessungsstrom des Schranks, die Vorsicherung in der Zuleitung und der Kurzschlussstrom am Anschlusspunkt. Der Bemessungsstrom ergibt sich aus der Summe der Verbraucher und daraus, wie viele gleichzeitig laufen. Motoren ziehen beim Direktstart kurzzeitig ein Vielfaches ihres Nennstroms, das muss die Absicherung aushalten, ohne auszulösen. Hauptschalter, Querschnitt der Zuleitung und Vorsicherung werden aufeinander abgestimmt. Von Ihnen brauchen wir dafür die Netzspannung und, wenn bekannt, die Absicherung am Aufstellort. Wir bauen Schränke bis 1.600 A.
Was bedeutet Kurzschlussfestigkeit (SCCR) beim Schaltschrank?
Sie gibt an, welchen Kurzschlussstrom der Schrank an seiner Einspeisung sicher beherrscht. Der Wert muss mindestens so hoch sein wie der Kurzschlussstrom, der am Aufstellort auftreten kann. Diesen Wert kennt der Netzbetreiber oder die Elektrofachkraft im Werk. Bestimmt wird die Kurzschlussfestigkeit durch die eingesetzten Geräte und ihre Vorsicherung. In Nordamerika heißt der Wert SCCR (Short Circuit Current Rating).
Welcher Hauptschalter gehört in den Schaltschrank?
Jede Maschine braucht eine Netztrenneinrichtung, meist einen Hauptschalter, der die gesamte elektrische Ausrüstung vom Netz trennt und sich in Aus-Stellung abschließen lässt. Sein Bemessungsstrom richtet sich nach dem Schrank. Dient er zugleich als Not-Halt oder Not-Aus, hat er einen roten Griff auf gelbem Grund, sonst empfiehlt die Norm einen schwarzen oder grauen. Bleiben nach dem Ausschalten einzelne Stromkreise unter Spannung, etwa eine Steckdose für Wartungsarbeiten, braucht der Hauptschalter ein Warnschild, und diese Stromkreise müssen im Schrank erkennbar sein.
Wie berechnet man die Wärme im Schaltschrank?
Mit einer Wärmebilanz. Auf der einen Seite steht die Verlustleistung der Geräte im Schrank, vor allem von Frequenzumrichtern, Leistungsstellern, Netzteilen und Schützen. Auf der anderen Seite steht die Wärme, die das Gehäuse über seine Oberfläche abgibt. Sie hängt vom Material ab, von der Aufstellung und vom Unterschied zwischen Innen- und Außentemperatur. Flächen an der Wand oder am Nachbarschrank geben kaum Wärme ab. Bleibt ein Überschuss, braucht der Schrank Lüfter, Wärmetauscher oder Kühlgerät. Ein Rechenverfahren für Gehäuse ohne Lüfter beschreibt IEC/TR 60890.
Lüfter oder Kühlgerät: was braucht mein Schaltschrank?
Das entscheidet die Umgebung. Ist die Luft außen deutlich kühler als innen gewünscht und dazu sauber, reicht oft ein Filterlüfter. Er begrenzt aber die erreichbare Schutzart, und die Filter müssen gewartet werden. Ist es außen warm oder ist die Luft staubig, ölhaltig oder feucht, braucht es einen geschlossenen Kreislauf mit Wärmetauscher oder Kühlgerät. Viele Geräte sind für eine Umgebung bis 40 °C ausgelegt, deshalb plant man innen mit Abstand darunter, häufig mit 35 °C.
Wie groß muss der Schaltschrank sein, und wie viel Reserve ist sinnvoll?
Die Größe ergibt sich aus den Geräten, den Kabelkanälen, den Klemmen für die Anschlüsse an der Maschine und den Abständen, die Umrichter und andere Wärmequellen brauchen. Eine feste Normvorgabe für Platzreserve gibt es nicht. Ist absehbar, dass die Maschine erweitert wird, lohnt freie Fläche auf der Montageplatte, üblich sind rund 20 %. Reserve heißt auch Wärmereserve: Ein Schrank, der heute knapp gekühlt ist, verträgt keinen weiteren Umrichter.
Direktstart, Stern-Dreieck, Sanftanlauf oder Frequenzumrichter?
Das hängt davon ab, ob der Motor nur anlaufen oder auch in der Drehzahl verstellt werden soll. Der Direktstart ist am einfachsten, zieht beim Anlauf aber ein Vielfaches des Nennstroms und belastet die Mechanik mit einem Drehmomentstoß. Stern-Dreieck senkt den Anlaufstrom auf etwa ein Drittel, braucht aber einen Motor, der im Dreieck für die Netzspannung ausgelegt ist (am 400-V-Netz ein 400/690-V-Motor), und sechs Motoradern. Ein Sanftanlauf fährt Strom und Drehmoment weich hoch, verstellt aber keine Drehzahl. Der Frequenzumrichter regelt die Drehzahl stufenlos, erzeugt dafür Verlustwärme und stellt Anforderungen an EMV und Motorleitung. Mehr dazu unter Antriebs-Schaltschränke.
Was ist bei Frequenzumrichtern im Schaltschrank zu beachten?
Vor allem EMV und Wärme. Die Motorleitung ist geschirmt, der Schirm wird großflächig aufgelegt. Leistungs- und Signalleitungen laufen getrennt, je nach Umgebung kommt ein Netzfilter dazu. Die Verlustwärme der Umrichter gehört in die Wärmebilanz. Außerdem erzeugen Umrichter Ableitströme: Ist ein Fehlerstromschutzschalter vorgeschaltet, muss er dafür geeignet sein, bei dreiphasigen Umrichtern in der Regel allstromsensitiv (Typ B).
Welche Aderfarben gelten im Schaltschrank?
Grün-Gelb ist ausschließlich dem Schutzleiter vorbehalten, Blau dem Neutralleiter, empfohlen in Hellblau. Für die übrigen Leiter empfiehlt DIN EN 60204-1: Schwarz für Hauptstromkreise, Rot für Steuerstromkreise mit Wechselspannung, Blau für Steuerstromkreise mit Gleichspannung und Orange für Stromkreise, die auch bei ausgeschaltetem Hauptschalter unter Spannung stehen können. Viele Maschinenbauer haben dafür eine eigene Werksnorm. Gibt es eine, bauen wir danach.
Sicherheitsrelais oder Sicherheitssteuerung?
Bei wenigen Sicherheitsfunktionen, etwa Not-Halt und einer Schutztür, reicht meist ein Sicherheitsrelais. Bei vielen Funktionen, mehreren Zonen oder wenn die Sicherheitstechnik mit der Steuerung Daten austauschen soll, ist eine Sicherheitssteuerung übersichtlicher, zum Beispiel eine fehlersichere SPS. Welchen Performance Level eine Funktion erreichen muss, ergibt die Risikobeurteilung der Maschine.
Muss ich den Performance Level schon kennen?
Nein. Den Performance Level ergibt Ihre Risikobeurteilung der Maschine. Liegt sie noch nicht vor, sprechen wir darüber. Wie er im Schaltschrank elektrotechnisch umgesetzt wird, legen wir fest und besprechen es mit Ihnen.
Bauen Sie auch nach UL 508A oder für explosionsgefährdete Bereiche?
Das ist kein Schwerpunkt bei uns. Schränke für Nordamerika (UL 508A, NFPA 79) und für Ex-Bereiche (ATEX) prüfen wir im Einzelfall. Sprechen Sie uns an, wir sagen Ihnen offen, ob wir das für Ihr Projekt leisten können.
Preis und Angebot
Was kostet ein Schaltschrank?
Das hängt vor allem davon ab, was angeschlossen wird, von Gehäuse und Schutzart, von der Bedienung und von der Stückzahl. Beispiele mit Auftragswert aus unserer Werkstatt finden Sie unter Schaltschrankbau.
Bekomme ich einen Festpreis?
Ja. Sie erhalten ein Angebot zum Festpreis für den darin beschriebenen Umfang. Im Angebot steht, was wir liefern und was nicht: Fertigung, Material, Beistellteile, Prüfung, Dokumentation, auf Wunsch Programmierung und Inbetriebnahme.
Wie schnell bekomme ich ein Angebot?
Sind alle Angaben geklärt, brauchen wir für das Angebot nur noch wenige Stunden, weil wir auf erprobte Baugruppen zurückgreifen. Fehlt etwas, fragen wir gezielt nach.
Gibt es Staffelpreise für Serien?
Ja. Folgeaufträge bauen wir auf demselben dokumentierten Stand und mit denselben Baugruppen, deshalb bleibt der Stückpreis kalkulierbar.
Können wir eigene Komponenten beistellen?
Ja, zum Beispiel Umrichter, Steuerung oder Ventilinsel. Beistellteile stehen im Angebot getrennt, damit klar ist, wofür wer verantwortlich ist.
Ablauf und Lieferzeit
Wie lange dauert die Lieferung?
Das hängt von Umfang und Material ab. Den Liefertermin nennen wir im Angebot auf Basis unserer aktuellen Werkstattplanung. Zur Einordnung aus unseren Projekten: Bei einer Kleinserie waren es rund 4 Wochen bis zum ersten Schrank, bei einem Einzelschrank mit kompletter Planung 6 Wochen.
Übernehmen Sie auch Programmierung und Inbetriebnahme?
Ja. Schaltplanung in EPLAN P8, SPS-Programmierung standardmäßig in Siemens S7 im TIA-Portal, auf Wunsch Bedienung über Touchdisplay und Inbetriebnahme.
Bauen Sie Einzelstücke oder Serien?
Beides, vom einzelnen Prüfstandsschrank bis zur wiederkehrenden Serie. Möglich ist auch, erst einen Schrank zum Test zu bestellen und danach die Serie nach demselben Stand.
Wo werden die Schränke gebaut?
In unserer eigenen Werkstatt in Kirchheim bei München. Mechanischer Aufbau, Verdrahtung und Prüfung passieren im eigenen Haus.
Prüfung und Qualität
Wird jeder Schrank geprüft?
Ja. Jeden Schrank prüfen wir vor der Auslieferung mit Sichtprüfung, Schutzleitermessung und Funktionsprüfung und dokumentieren das. Das Prüfprotokoll erhalten Sie auf Anfrage.
Sieht der zehnte Schrank aus wie der erste?
Ja. Wiederholschränke bauen wir nach derselben Dokumentation und mit denselben Baugruppen.
Komponenten
Liefern Sie Eurotherm-Geräte auch einzeln?
Ja. Als Watlow® Prime Distributor liefern wir Regler, Leistungssteller und Schreiber von Eurotherm einzeln oder fertig eingebaut. Mehr dazu unter Eurotherm.
Mein Regler ist abgekündigt. Was brauchen Sie?
Ein Foto vom Typenschild oder den vollständigen Bestellcode, wenn möglich auch die Konfigurationsdatei. Damit bestimmen wir den Nachfolger.
Bauen Sie Pneumatik in den Schaltschrank ein?
Ja. Als Festo Official Partner bauen wir Ventilinseln und Pneumatik fertig verschlaucht und verdrahtet in den Schrank. Mehr dazu unter Pneumatik.
Grundlagen zum Schaltschrank
Schutzart
Was IP54 oder IP65 bedeutet und welche Schutzart Ihr Schrank braucht. Im Konfigurator auswählen →
Bedienung
Taster und Leuchtmelder, Bedienpult oder Touchdisplay. Im Konfigurator auswählen →
Aufstellung
Standschrank, Wandschrank oder mobile Installation. Im Konfigurator auswählen →
Ihre Frage fehlt?
Schreiben Sie uns oder rufen Sie an: 089 / 904 807 91. Zur Anfrage →
Watlow® ist eine eingetragene Marke der Watlow Electric Manufacturing Company und wird von der Rihatec Systemlösungen GmbH mit Genehmigung verwendet. Eurotherm ist eine Marke von Watlow.